Archiv der Kategorie: MTB

Absam bei Hall und im Lafatschertal

In der Gemeinde Absam bei Hall in Tirol bin ich öfters, weil da einer meiner besten Freunde wohnt. Sehr erstaunt mich heute – auf meiner MTB-Tour von Scharnitz zum Hallerangerhaus – im Lafatschertal noch ein weiteres Absam zu finden.

absam_mtbDoch der Reihe nach. Der Name Absam – bevor irgendjemand etwas Schlüpfriges vermutet – stammt von Abazanes ab. So wird um ca. 1.000 n. Chr. die dortige Siedlung im Inntal genannt bzw. erstmals erwähnt. Und es wird vermutet, dies leitet sich wieder von Abudius ab, einem römischen Gutsherren, der dort wohl ein Landgut besaß. Also alles sehr alt und kompliziert. Heute wohnen fast 8.000 Menschen in Absam.

Eher einfach und einsam präsentiert sich das andere Absam. Es ist nur ein Schild an einem Bach an einer sehr steilen Stelle des Schotterfahrwegs (und damit Ausruhplatz) im Lafatschertal, gelegen im Nirgendwo zwischen Kastenalm und Lafatscher Niederleger. Was soll das also? Ich habe eine Ahnung. Vor Jahrhunderten wurden im Karwendel schon Blei und Erze abgebaut, die alten Stollen “Beim silbernen Hansl” sind nicht weit. Der Abtransport erfolgte nicht nach Scharnitz hinaus, sondern auf Saumwegen (heute kaum vorstellbar) über das Lafatscher Joch und hinunter über das Halltal nach Absam und Hall. Daher vielleicht die Namensverbindung.

Ach so, zum heutigen Tag sei nochmals Sportliches angemerkt: Ende Oktober sind im Naturpark Karwendel schon alle Hütten und Almen geschloßen. So ist die sonst übliche große (E-)MTB-Dichte in den Karwendeltälern nicht mehr gegeben. Auch meine Auffahrtsrouten von zuerst zur Pfeishütte und retour und dann noch zum Hallerangerhaus beschränken durch ihre teilweise extreme Steilheit zudem noch auf natürliche Weise den Zustrom von Bikern, zumindest von denen, welche ohne elektrische Unterstützung auskommen. Dazu hat es noch oben einen Föhnsturm, also Gegenwind. Zurück in Scharnitz sind jedenfalls meine Muskelakkus nach fast 70 Kilometer Wegstrecke und 2.000 Höhenmetern fast leer.

Einmal Tombea statt immer Tremalzo

Gerade mal gute 20 Kilometer Luftlinie westlich vom überaus beliebten und damit überlaufenen Gardasee liegt der Idrosee und das Valle del Chiese, touristisch eher unbekanntes Terrain. Mein Freund Robsl und ich beschließen, dieses Gebiet einmal mit dem Bergrad zu erkunden.

cima_tombea_abfahrt72Unser Quartier- und Ausgangspunkt ist der Ort Bondone, ein mittelalterliches Schwalbennest über dem Idrosee, gerade noch in der Provinz Trentino in seiner süd-westlichsten Ecke gelegen. Dem Kenner ist sofort klar, damit war dort einmal die Staatsgrenze und damit die Front zwischen Österreichern und Italienern im 1. Weltkrieg. Und damit gibt es dort alte Militärstraßen. Wir fahren erst einmal über einen ersten Kamm ins Valestino. Die Landflucht an diesem südlichen Alpenrand ist nicht nur sichtbar, die Entsiedlung ist geradezu schmerzlich spürbar. In kleinen, wunderschönen Weilern wie Moerna und Persone (wer hat diese Namen schon einmal gehört?) scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

cima_tombea_grinsen72Dann geht es richtig los. Eine heute noch perfekte italienische Militärstraße führt in vielen Kehren hinauf bis zum Grenzkamm an die Magla bzw. Cima Tombea. Das Wetter ist nicht besonders, ziemlich kühl, immer wieder hat es leichte Schauer. Und doch sind wir zu unserer Verwunderung ganz alleine. In nur acht Kilomter Entfernung befindet sich im weiteren ehemaligen Befestigungsverlauf die weitaus bekanntere (und zugegeben in Abschnitten spektakulärere) Tremalzo-Pass-Straße. Dort tummeln sich an diesem letzten Sommerferienwochenende bestimmt dutzende von (Elektro-)Mountainbikern.

Alles egal, wir freuen uns richtig wieder einmal etwas für uns Neues entdeckt zu haben und sind nach einer 40 Kilometer Runde mit 1.900 Höhenmetern zufrieden und glücklich. Und dankbar für den Frieden.

Damenradwahl in Vietnam

catba_damenrad_webSchon wieder ist es passiert. Wie im Sommer auf einer irischen Insel  – siehe den entsprechenden Beitrag vom Juli – so erwischt es mich auch in unserem Vietnam-Urlaub auf der Insel Cat Ba in der Halong Bay: Es stehen zur Erkundung des Eilandes wieder nur Damenräder zur Wahl, diesmal sogar noch einfachere und ältere Modelle.

Erwartungsgemäß ist der Rahmen zu klein, eine Gangschaltung gibt es auch nicht, das vietnamesische Vehikel lässt sich immerhin bewegen. Ich mache das Beste daraus auf den vorhandenen Betonwegen und nehme längere Rampen halbwegs sportlich im Wiegetritt. Aber stilvoll geht anders, dies mit den Damenrädern und mir darf nicht so weitergehen!

A propos per perdes. Besser als Cat Ba gelingt da die Erkundung der zweiten Insel Monkey Island. Die ist viel kleiner, eine die Insel überragende Felsnadel lässt sich nur zu Fuß erklimmen. Und bietet eine beeindruckende Sicht auf einen kleinen Teil der Halongbucht, welche mit seinen rund 2.000 Kalksteinfelsen im Meer als UNESCO-Weltkulturerbe zu Recht geschützt ist.monkey_island_web

Irischer Sommer auf Insihmore

berginsih_island_kleinUnser zweiwöchiger Sommerurlaub auf der grünen Insel Irland ist doch etwas von Wetterunbillen gepägt; sei es mit Bergtouren, die an vollkommen vernebelten Gipfeln enden oder mit Autofahrten auf verregneten Strassen an der kaum sichtbaren Westküste. Das ist natürlich ungerecht, denn für ein bis zwei Stunden reisst die Wolkendecke immer mal wieder auf, so dass sich schöne Ausblicke ergeben, wie anbei auf die Bucht mit Berginish Island.

Am letzen Tag, beim Ausflug auf Insihmore, der Hauptinsel der Aran Islands, meint es endlich der irische Wettergott gut mit uns, ein ganzer Tag ohne Regen mit fast sommerlichen Temperaturen. Wir leihen uns Räder aus um die Insel zu erkunden. Warum auch immer, es sind von den durchwegs schlechten bereitstehenden Mieträdern die noch besten nur Damenversionen. Damit habe ich schon Erfahrung, auch im Schnellfahren, siehe dazu meinen alten Beitrag hier.

strandfahrt_meerAuf Inishmore (in gälischer Sprache heisst es Inis Mór) geht mir dann doch etwas der Gaul durch als wir dort tatsächlich Sandstrände vorfinden. Ich bin zwar nicht so verrückt wie die Einheimischen und bade im kalten Atlantik, doch schere ich mich – trotz Wissens um die vernichtende Wirkung von Salzluft und Sand auf Fahrradmechanik – keinen Deut darum und gebe Gummi. Der irische Sommer macht einen wohl crazy.

Mit dem Neffen auf das Walberla

Auch wenn es etwas lustig klingt, habe ich doch in Franken mit dem Neffen zusammen etwas Anständiges und Sportliches vollbracht: Mit dem Bergrad sind wir auf das Walberla über dem Wiesentthal gefahren. waibala_mtb_webDas ist die Nordkuppe eines 532 m.ü.M gelegenen Zeugenberges mit dem offiziellen Namen Ehrenbürg im Vorland der Fränkischen Alb bei Forchheim. Darauf sind unglaublich viele vorchristliche Siedlungsfunde zu finden. Uns hat an diesem schönen Frühlingstag dann doch mehr das Posen vor schöner Aussicht interessiert. Vom Walberla lässt sich übrigens ein beträchtliches Stück Franken überblicken, vom Bamberger Domberg im Norden bis zum Nürnberger Fernsehturm im Süden, was zum Teil die heute noch fast kultische und festliche Verehrung dieser Erhebung bei den Einheimischen erklärt.

Schön. Einsam. Enningalm.

Und die Wetterwechsel dieses Herbstes gehen weiter. Anfang November herrscht eine ‘Goldene Oktober’ Stimmung, der Föhn bringt Prachtwetter mit knapp 20 Grad Celsius mittags.

Mit dem MTB auf der EnnigalmNichts wie raus, auf zu einer vielleicht letzten MTB-Runde des Jahres in den Ammergauern. Von Ettal hinunter über Oberau geht es ab Farchant knapp eintausend Höhenmeter hinauf auf breiter, einfach zu fahrender Schotterstrasse – aber schweißtreibend – zur Enningalm. Dort ist es wunderschön, herrlich und einsam. Die Spuren des Wintereinbruchs von vor zehn Tagen sollten mir eigentlich Mahnung sein, trotzdem gehe ich den klassischen Nordtrail Richtung Graswangtal an.

Schnee. Matsch. Baumstämme. So lässt sich die Abfahrt zusammenfassen. Weil Schneereste an Grasflanken abgerutscht und durch den Sturm viele Bäume umgefallen sind, muss ich ganze Wegpassagen schieben und Hindernisse übertragen. Die Runde bis Ettal zurück bin ich in den vergangenen Jahren immer weit unter drei Stunden gefahren. Das gelingt mir heuer nicht, aber innerhalb einer Woche sich erneut kalt-nasse Füsse und ein zufriedenes Grinsen einzuhandeln sind der verdiente Lohn der Unvernunft.

Über dem Inntal am Nationalfeiertag

Welche Wetterkontraste! Letzte Woche herrschte noch goldenes, warmes Herbstwetter, dann kam die erste Kaltfront mit Schnee. Und totzdem wollen mein Freund Robsl und ich am heutigen österreichischen Nationalfeiertag etwas Erhabenes erleben. MTbiken im Schnee - Blick über Nebeldecke im InntalSo kommen wir auf die Idee der Nebelsuppe der Tallage zu entfliehen und mit dem MTB auf eine Alm zu fahren. Die weit und breit vermutlich wohl einzig vom Schnee geräumte (Teer-)Strasse ist jene von Gnadenwald auf die Hinterhornalm. Bis auf die Höhe von ca. 1.300 Höhenmetern funktioniert das auch, dann hatte wohl der schneeräumende Traktorfahrer keine Lust mehr, der letzte Weg zur Alm ist im Weiß versunken. Uns bereitet jedoch der Panoramablick über die Tuxer Alpen und das mit dichtem Nebel bedeckte Inntal eine solche erhebende Freude, dass uns die anschließende kalte Abfahrt mit nassen Füssen nicht wirklich etwas ausmachen kann.

Nachtschicht im Olympiapark

Was soll man machen, wenn der heimliche König der Radbranche ruft? Thai Do von Continental Reifen sucht Mitglieder für ein 8er-Team beim 24h-Rennen im Münchner Olympiapark. Da heisst es Rad und (Schlaf-)Sachen zusammenpacken und dem Ruf in die bayrische Landeshauptstadt zu dieser Kultveranstaltung folgen.

Rennen im Olympiapark MünchenDem tollen Veranstalter Sog Events sei Dank, wir rutschen noch ganz kurzfristig mit unserer Anmeldung rein und erhalten eine knappe Stunde vor Rennbeginn unsere Startnummern. Samstags um 12.00 Uhr geht ‘s los. Es sind noch gar nicht alle Teammitglieder von unserer bunt zusammengewürfelten Truppe da; wir fangen schon mal an und wechseln nach zwei Runden pro Fahrer. Als es nachts wird, stellen wir auf einen Dreirunden-Rhythmus um.

Ich habe das besondere Glück wieder ab 3.30 Uhr dran zu sein. Nächtlicher OlympiaparkDas Rennen hat sich beruhigt, nur Fahrgeräusche sind zu vernehmen, ansonsten schlafen viele (wohl auch einige der heldenhaften Einzelstarter). Es ist eine besondere Atmosphäre. Noch im Dunklen setzt in meiner zweiten Runde lautes Vogelgezwitscher ein, in der dritten wird es dann langsam hell und der Olympiapark mit seinem Fernsehturm und seinen Stadien strahlt in der Morgensonne so spektakulär wie bei seiner Eröffnung zu den Spielen im Jahr 1972.

Trotz meiner nicht gerade berauschenden Rundenzeiten – bei mir haben über vier Jahrzehnte offensichtlich mehr Spuren hinterlassen – lässt es sich nicht verhindern:MTB-Gruppe im Olympiapark Das Team Continental Reifen steht in der Wertung auf Platz 2. Unsere drei Topleute Klaus Steinkeller (der Glocknerkönig von 2013), Lukas Kubis (Sieger der Salzkammergut Trophy 2009) sowie Carsten Bresser (Ex-Profi und Olympiateilnehmer) hauen vormittags nochmals so schnelle Zeiten raus, dass uns nach 83 Runden sonntags um 11:57 Uhr der Sieg in der Achterteam-Wertung nicht mehr zu nehmen ist. Da kann sich der kleine König mit seinen Mannen auf der Tribüne bei der Siegerehrung sonnen.

Über dem Nebelmeer

MTB im Schneefeld am Hinteren Hörnle liegendSeit Tagen herrscht eine besondere Wetterlage. In allen Tälern und Ebenen schwimmt eine undurchdringliche Nebelsuppe. Und auf den Bergen ist es strahlend schön. Das nennt sich Inversionslage. Meine kleine Flucht ins Licht gelingt am Hinteren Hörnle über Bad Kohlgrub in den Ammergauern. Es ist wohl die letzte MTB-Tour des Jahres, denn über erste Schneefelder ist schon zu schieben. Egal, Hauptsache Sonne tanken!

Königlicher Anstieg zum Schachen

MTB am Schachenhaus im WettersteingebirgeIn einer guten Woche werde ich wieder in der Toskana bei der L’Eroica auf einem alten Rennrad auf Schotterstrassen fahren. Wie bereitet man sich darauf vor? Mir fällt ein langer schottriger Weg ein, den König Ludwig der Zweite im Wettersteingebirge hat anlegen lassen, um sein exotisch-orientalisches Haus am Schachen mit Pferdekutsche erreichen zu können. Also los mit dem MTB, vom Garmischer Skistadion über Wamberg nach Elmau. Dort beginnt der breite königliche Weg. Ich setze mir als Ziel in einer Stunde am Schachenhaus zu sein. Gut, ich verfehle meine Zielzeit um fünf Minuten. Aber der Trainingseffekt ist bestimmt ein guter und der Aussichtsplatz am Schachen ein phantastischer. Das muß man dem König wirklich lassen:  Der hatte ein damisch gutes Gespür für besonders schöne Orte und wie man sich gekonnt-exaltiert auch noch der Nachwelt präsentiert.