Bilderbuchloipe auf den Bergwiesen

Bilderbuchloipe

Ein Bild wie gemalt ist hier zu sehen. Wie geht das denn? Ganz einfach, man benutze einen Malstilisierungsfilter in Photoshop. Nicht so einfach ist es jedoch diese bayrische Bilderbuchloipe zu finden.

Erstens ist diese nur gespurt bei wirklich ausreichend Schnee (in der letzten niederschlagsarmen Wintersaison 2019/20 ging daher gar nichts) und zweitens ist sie grob im Nirgendwo zwischen den beiden Orten Peiting und Steingaden neben der B17 gelegen.

Sie hat jedoch einen Namen, nämlich Bergwiesen, benannt nach der Flurbezeichnung. Eine kurze knackige Steigung ist auch zu bewältigen am Anfang. Dann hat man auf einem Hochplateau den freien Blick auf die Alpen bei Füssen und den Auerberg, heute bei agressiver und dunkler Föhnstimmung. Damit sind alle Zutaten beisamen für einen ziemlich einsamen Sport- und Naturgenuss; was nicht das Schlechteste ist, gerade auch in diesen Corona-Zeiten.

Im Doppelpack durch den August

Aus der Not (der Kontaktbeschränkungen in Coronazeiten) kann man auch (in und mit dem Hobby Rennradfahren) eine Tugend machen.

Da alle Radmarathon-Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt worden sind, der (Rad-)Sommerurlaub in den Alpen aus Vorsichtsgründen ebenso ausfällt, treiben sich mein Radfreund Robert und ich daher im Doppelpack in schönen heimatlichen Gefilden herum.

Über ein halbes dutzend mal sind wir in diesem August schon gemeinsam auf Tour gewesen zwischen Ammersee, Lech und Westlichen Wäldern. Bei warmen Temperaturen hatten wir fast immer Wetterglück, nur einmal kamen wir in einen kurzen Sommerregen.

Und ich bin sehr froh ob Roberts Fahrkünsten – er hat als ehemaliger Amateurfahrer auch eine dementsprechende Ausbildung genossen – denn nur so gelingen ihm sicher und souverän seine Selfie-Bilder von uns beiden während der Fahrt.

Erleuchtung auf der Scheinbergspitze

An diesem Pfingstmontag stehen meine Frau und ich ganz früh um 1.00 Uhr auf, fahren in das hintere Graswangtal und gehen bei Kälte und Dunkelheit, also mit Mütze und Stirnlampe ausgerüstet, auf die Scheinbergspitze in den Ammergauer Alpen.

Warum dieser Aufwand? Wollen wir wie die Jünger Jesu an Pfingsten vom Heiligen Geist erfüllt werden? Nicht ganz, doch eine Ahnung der Herrlichkeit der Schöpfung und ein Geschenk ist es jedes mal aufs Neue, den Sonnenaufgang auf einem Berggipfel erleben zu dürfen.

Es ist magisch: Im Rücken das bekannte Massiv der Hochplatte steigen um 5.20 Uhr die ersten, noch überhaupt nicht wärmenden Sonnenstrahlen über die Klammspitze und streifen das Graswangtal. Silbern liegt dort unten der Fluß Linder. Und das Beste dabei ist – wir sind vollkommen alleine am Gipfel der Scheinbergspitze, keiner wollte heute so früh aufstehen.

Beim Abstieg begegnen uns dann mehr als dreißig Wanderer, der Parkplatz unten ist schon vor 8.00 Uhr überfüllt. Wir haben heute für uns alles richtig gemacht und sind trotz einsetzender Müdigkeit erfüllt von diesem Licht- und Bergerlebnis. Wie lange hält die Erleuchtung in uns an?

Der Sport in den Zeiten von Corona

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In diesen Zeiten der Corona-Pandemie wird ’social distancing‘ – ein fürchterlicher Begriff wie ich finde – als das Gebot der Stunde und die Richtschnur des Handelns für jeden von uns als soziales Wesen ausgerufen. Da stellt sich die Frage: Dürfen wir noch Sport betreiben?

Der Besuch von Fitnessstudios und der Betrieb von Vereins- bzw. Mannschaftssport verbietet sich von selbst. Wie sieht es jedoch mit Outdoor-Sportarten aus? Es herrscht gerade prachtvolles Wetter mit besten Bedingungen für Skitouren, doch solche Bergerlebnisse sind ebenso untersagt, die Einreise etwa nach Tirol ist zudem verboten. Was also tun?

Da bieten sich für mich als begeisterten Rennradfahrer immer noch beste Möglichkeiten. Die meisten Trainingsrunden und Kilometer absolviere ich seit Jahrzehnten – wie so viele Gleichgesinnte wohl auch – eh immer alleine. Es ist also keine so große Umstellung für nun unbestimmte Zeit auf die gelegentliche Ausfahrt mit Freunden oder auf sowieso abgesagte Marathon-Veranstaltungen zu verzichten.

Jede Rennradtour stellt für mich trotz aller Anstrengung und Überwindung eine Stärkung von Körper und Geist dar. Spätestens nach einer Stunde Training denke ich an Nichts mehr, auch das gerade alles beherrschende Dauerthema Corona verflog heute bei mir mit der Dauerwahrnehmung des Surrens der Kette. Radsport stärkt also Herz und Lungen, macht den Kopf wieder klar und lässt einen ohne Angst wieder zu seinem Heim(-arbeitsplatz) und zu seinen Liebsten zurückkehren.

Wenn heute ab Mitternacht (zuerst in Bayern, andere Bundesländer werden folgen) die weitreichenden Ausgangsbeschränkungen gelten, dann bin ich guten Mutes und voller Zuversicht, daß die Ausübung meines geliebten Sports in der selbst gewählten Einsamkeit – genannt Rennradfahren – weiterhin erlaubt bleibt.

Kaiserwetter an der Kaiserbahn

Was für ein überraschender Samstag im Tiroler Kühtai: Es herrscht schönstes Wetter, es hat ausreichenden und guten Schnee – und es ist nichts los auf den Skipisten. Mir soll es Recht sein: Von der Kaiserbahn geht es weg und ich fühle mich ähnlich privilegiert wie der Namensgeber der Aufstiegshilfe. Vor Jahren hatten wir im Kühtai schon einmal so einen ähnlichen Glückstag.

Verspätetes Neujahr am Rosenjoch

Prosit Neujahr! Um zwei Tage verspätet gehen Robsl und ich eine Neujahrsskitour auf das Rosenjoch (2.796 m.ü.M.) in den Tuxer Alpen vom Arztal aus, einem Seitental des Wipptals.

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Es hat wenig Schnee, das Wetter ist nicht gut und nicht schlecht, über dem Alpenhauptkamm stehen dunkle Föhnlinsen. Aber alles egal. Hauptsache ist, wir bewegen uns nach den Festtagen in einer schönen und einsamen Landschaft zusammen mit einem dutzend gesichteter Gemsen.

Der Name Rosenjoch ist etwas irreführend, denn es handelt sich um kein Joch, sondern um den höchsten und weitesten Gipfel im Abschluß des hinteren Arztals. Und keine Ahnung habe ich, woher der botanische Namensvorsatz stammen könnte, denn blühendes Rosengehölz wächst hier oben sicher nicht. Doch erinnert die heutige Abfahrt an eine Besonderheit von Rosen.

Diese ist für mich eine ziemlich dornige Angelegenheit, weil fast durchgehend Bruchharsch vorherrscht. Damit gelingen mir heute keine schönen Schwünge. Hoffentlich ist diese erste Skitour des Neuen Jahres kein Sinnbild für die weitere Skitourensaison, sondern nur der abfahrtsmässige Tief- und Startpunkt für nun folgende höhere Schneemengen und -qualitäten.

Absam bei Hall und im Lafatschertal

In der Gemeinde Absam bei Hall in Tirol bin ich öfters, weil da einer meiner besten Freunde wohnt. Sehr erstaunt mich heute – auf meiner MTB-Tour von Scharnitz zum Hallerangerhaus – im Lafatschertal noch ein weiteres Absam zu finden.

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Doch der Reihe nach. Der Name Absam – bevor irgendjemand etwas Schlüpfriges vermutet – stammt von Abazanes ab. So wird um ca. 1.000 n. Chr. die dortige Siedlung im Inntal genannt bzw. erstmals erwähnt. Und es wird vermutet, dies leitet sich wieder von Abudius ab, einem römischen Gutsherren, der dort wohl ein Landgut besaß. Also alles sehr alt und kompliziert. Heute wohnen fast 8.000 Menschen in Absam.

Eher einfach und einsam präsentiert sich das andere Absam. Es ist nur ein Schild an einem Bach an einer sehr steilen Stelle des Schotterfahrwegs (und damit Ausruhplatz) im Lafatschertal, gelegen im Nirgendwo zwischen Kastenalm und Lafatscher Niederleger. Was soll das also? Ich habe eine Ahnung. Vor Jahrhunderten wurden im Karwendel schon Blei und Erze abgebaut, die alten Stollen „Beim silbernen Hansl“ sind nicht weit. Der Abtransport erfolgte nicht nach Scharnitz hinaus, sondern auf Saumwegen (heute kaum vorstellbar) über das Lafatscher Joch und hinunter über das Halltal nach Absam und Hall. Daher vielleicht die Namensverbindung.

Ach so, zum heutigen Tag sei nochmals Sportliches angemerkt: Ende Oktober sind im Naturpark Karwendel schon alle Hütten und Almen geschloßen. So ist die sonst übliche große (E-)MTB-Dichte in den Karwendeltälern nicht mehr gegeben. Auch meine Auffahrtsrouten von zuerst zur Pfeishütte und retour und dann noch zum Hallerangerhaus beschränken durch ihre teilweise extreme Steilheit zudem noch auf natürliche Weise den Zustrom von Bikern, zumindest von denen, welche ohne elektrische Unterstützung auskommen. Dazu hat es noch oben einen Föhnsturm, also Gegenwind. Zurück in Scharnitz sind jedenfalls meine Muskelakkus nach fast 70 Kilometer Wegstrecke und 2.000 Höhenmetern fast leer.

Einmal Tombea statt immer Tremalzo

Gerade mal gute 20 Kilometer Luftlinie westlich vom überaus beliebten und damit überlaufenen Gardasee liegt der Idrosee und das Valle del Chiese, touristisch eher unbekanntes Terrain. Mein Freund Robsl und ich beschließen, dieses Gebiet einmal mit dem Bergrad zu erkunden.

cima_tombea_abfahrt72Unser Quartier- und Ausgangspunkt ist der Ort Bondone, ein mittelalterliches Schwalbennest über dem Idrosee, gerade noch in der Provinz Trentino in seiner süd-westlichsten Ecke gelegen. Dem Kenner ist sofort klar, damit war dort einmal die Staatsgrenze und damit die Front zwischen Österreichern und Italienern im 1. Weltkrieg. Und damit gibt es dort alte Militärstraßen. Wir fahren erst einmal über einen ersten Kamm ins Valestino. Die Landflucht an diesem südlichen Alpenrand ist nicht nur sichtbar, die Entsiedlung ist geradezu schmerzlich spürbar. In kleinen, wunderschönen Weilern wie Moerna und Persone (wer hat diese Namen schon einmal gehört?) scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

cima_tombea_grinsen72Dann geht es richtig los. Eine heute noch perfekte italienische Militärstraße führt in vielen Kehren hinauf bis zum Grenzkamm an die Magla bzw. Cima Tombea. Das Wetter ist nicht besonders, ziemlich kühl, immer wieder hat es leichte Schauer. Und doch sind wir zu unserer Verwunderung ganz alleine. In nur acht Kilomter Entfernung befindet sich im weiteren ehemaligen Befestigungsverlauf die weitaus bekanntere (und zugegeben in Abschnitten spektakulärere) Tremalzo-Pass-Straße. Dort tummeln sich an diesem letzten Sommerferienwochenende bestimmt dutzende von (Elektro-)Mountainbikern.

Alles nicht so wichtig, wir freuen uns richtig wieder einmal etwas für uns Neues entdeckt zu haben und sind nach einer 40 Kilometer Runde mit 1.900 Höhenmetern zufrieden und glücklich. Und dankbar für den Frieden.

Mein neues Rad ist nicht Namlos

Das ist heute eine klassische Rennradrunde gewesen: Von Stanzach im Tiroler Lechtal nach Pfafflar – siehe dazu meinen acht Jahre alten Winterbeitrag – auf das Hahntennjoch, Abfahrt nach Imst, dann über Nassereith auf den leichten, doch verkehrsmässig leider stark frequentierten Fernpaß, hinunter nach Lermoos, weiter bis Bichlbach, nochmals hinauf nach Berwang und zurück über die kleine Gemeinde Namlos durchs gleichnamige Tal. Über diesen Nicht-Namen haben schon viele gelacht (legendär der Mitschnitt des Anrufs des Radiosenders Ö3 beim Bürgermeister).

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Ein Dauerlächlen ins Gesicht gezaubert hat mir heute auch mein brandneues Rennrad. Und dies ist nicht namlos. Es heißt ROSE X-Lite Four und ist ein echtes Racebike – agil, leicht, laufruhig und doch komfortabel. Der Hammer sind auch die Scheibenbremsen der SRAM Red Gruppe, welche ich nicht mehr missen möchte.

Wenn die folgende Regel angewendet wird, eine bergige Radtour ist erst eine wenn die Aufstiegshöhenmeter mehr als 1 % der Gesamtdistanz ausmachen, dann ist die heutige Ausfahrt eine ordentliche gewesen. Auf 101 km Strecke habe ich fast 2.200 Höhenmeter erklommen in genau vier Stunden Fahrzeit. Das neue X-Lite Four hat mich wohl auch dazu beflügelt.

Eine schöne Begegnung möchte ich noch erwähnen. Als ich gerade zur Überquerung auf das Hahntennjoch komme, deutet ein Rentner auf mich und sagt laut zu seiner Frau (offensichtlich haben sie mich davor in der Auffahrt mit dem Auto überholt): „Schau mal, der ist ja schon da und das ohne Motor“. Ja bin ich heute schon ein Exot, wenn man sich ein neues Rad ohne elektrische Antriebsunterstützung kauft?

Ein Nebelwächter an der Klammspitze

Vor Wochen habe ich auf den heutigen Sonntag einen Mitarbeiterausflug angesetzt, nämlich eine Bergwanderung in den Ammergauern von Schloß Linderhof über die Brunnenkopfhütte auf die Klammspitze. Nur ein kleines Tief – nach tagelangem besten Sommerwetter – über dem nördlichen Alpenhauptkamm hat auf meine Planung keine Rücksicht genommen.

klammspitze_felsnadelZumindest regnet es nicht beim leichten Aufstieg zu Hütte. Und es ist halbwegs warm. Vorbei an letzten Schneeresten geht es auf felsigem Steig den Südgrat hinauf zur Klammspitze. Wegen Nebels ist von dem 1.924 m hohen und bekannt guten Aussichtsgipfel heute leider gar Nichts auszumachen, weder die Zugspitze im Süden noch der Ammersee im Norden. Lediglich ein steineres Mandl wacht unterhalb des Gipfelaufschwungs, damit alle sicher hinauf und auch glücklich wieder hinunter kommen können.

Trotz fehlenden Sonnenscheins und Panoramas ist es ein schöner und rundherum gelungener Betriebsausflug am Berg geworden. Einem noch höherem Wächter sei Dank.