Nachtlichter am Tegelberg

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Manchmal liegt das Naheliegende, auch in der Berichterstattung, so fern. Da gehen wir im Winter seit Jahren am Donnerstag des Nachts, am sog. Skitourenabend, die Piste auf den Tegelberg bei Schwangau hinauf. Es ist eine weitum beliebte und gut beschriebene Skitour bei Tag. Und findet erst heute erstmalig Aufnahme in diesen meinen Blog, welch ein Versäumnis!

Vom Parkplatz der Tegelbergbahn bis zum Tegelberghaus sind es knapp 900 Höhenmeter. Obwohl wir uns alle gegenseitig versichern, keiner würde mehr auf die Uhr bzw. die Aufstiegszeiten schauen, es tut doch jeder. Meine beste Zeit von 59 min ist Jahre her und wohl für mich nicht mehr erreichbar. Erst Recht nicht die Spitzenzeiten von 35 min, welche die Wettkampf-Profis hier erzielen.

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Doch es gibt Wichtigeres: Grandios die Sicht oben auf verschneite Bergketten im Mondlicht und unten auf die Lichter der Stadt Füssen. Nach fast der Hälfte der Abfahrt, bei der schöneren Einkehrmöglichkeit Rohrkopfhütte, bietet sich ein wunderbarer Blick auf das beleuchtete Schloß Neuschwanstein. Und wenn der Lichtkegel der Helmlampe die verschneiten Baumwipfel am Pistenrand streift, dann ist das tausendmal besser als den Abend vor dem Fernseher zu verbringen!

Predigtstein im Sonnenschein

Das prachtvolle, ungewöhnlich milde Herbstwetter hält an – auf zur nächsten, wahrscheinlich allerletzten Bergtour. Diesmal nehmen wir jedoch zur Anfahrt die MTBs, radeln von Leutasch durchs schattige Gaistal. Die Pfützen am Wegesrand sind schon alle gefroren. Doch ab der (geschlossenen) Gaistalalm liegt der Fahrweg zur Rotmoosalm in vollem Sonnenschein, so sind schon bald kurze Hose und T-Shirt angesagt. Erst Recht als es dann zu Fuß zum heutigen Gipfelziel weitergeht, dem Predigtstein auf 2.234 m.ü.M.

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Dieser ist der Südwand des Hochwanners vorgelagert, einem der hohen Berge des Wettersteingebirges, zu dem auch der Predigtstein geologisch gehört. In der Verlängerung nach Westen bietet sich ein freier Blick auf Zugspitzblatt und -gipfel inkl. seinen Zivilisationsbauten. Und der Blick ist vor allem schneefrei. Vom Nördlichen Schneeferner sind seine kümmerlichen Reste zu sehen. Es ist kaum vorstellbar, daß in dieser Steinwüste in gut einem Monat der Skibetrieb starten soll, wenn man so im novemberlichen Sonnenschein auf dem Predigtstein steht und hinüberschaut. Ob nur mehr beten auf einen baldigen Wintereinbruch hilft?

Thaneller – der Retter aus dem Nebel

Seit Tagen liegt über unserer Stadt Landsberg am Lech eine dichte Hochnebeldecke. Da gibt es nur ein Mittel der Wahl – ab in die Berge. Und als wäre der Nebel ein deutscher Staatsangehöriger, exakt mit dem Überfahren der Grenze hinter Füssen ist er verschwunden. Das Tiroler Außerfern wird von einem prachtvollen blauen Spätherbsthimmel überstrahlt.

Hinter Berwang am Thaneller Karliftparkplatz gehen wir schon vor 10.00 Uhr los. Immer südseitig, bald durch lichten Wald, dann durch Latschen zieht sich der leichte Bergweg – duchsetzt mit schönen Felskuppen – auf den Gipfel des Thaneller auf 2.341 m. ü. Meer. Ach, was ist das für ein herrlicher Tag, welch wundervolle Ausblicke bieten sich. Im Süden geht der Blick über die Lechtaler zum Alpenhauptkamm mit den Ötztalern. Deutlich sticht die Wildspitze als höchster Berg hervor.

Doch für meine Frau und mich fast noch wichtiger ist der Ausblick nach Norden. Von links kommt der Lech, fließt nach Reutte, um dann in der Bildmitte im uns so bekannten Nebelmeer zu verschwinden. Es grüsst rechts davon der Nachbarberg Säuling. Über Heiterwanger- und Plansee geht die Panoramafahrt mit den eigenen Augen weiter bis zum Zugspitzmassiv. Der letzte Oktobertag wird so zum Höhepunkt unserer Bergwandersaison.

 

Flug vom Elfer über das Stubaital

Schon einmal von einem mydays-Erlebnisgutschein gehört? Meine Frau hat einen solchen – besser gesagt zwei Stück – als sogenanntes ‚Incentive‘ für besondere Leistungen von ihrem Arbeitgeber geschenkt bekommen. Meine Leistung fällt mit dem Buchen bzw. Einlösen dieser Gutscheine eher bescheidender aus, wir nutzen jedoch die Chance für ein immer schon gewolltes, aber nie gemachtes Erlebnis – einen Gleitschirm-Tandemflug.

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Buchungspartner von Paragliding Tirol ist der nette und kompetente Peter Reinalter. Es geht nach kurzer Vorbesprechung von Neustift im Stubaital mit ihm und Kumpel Hubi den Elfer-Lift hinauf. Und dann nach gemeinsamen Anlaufen am Skihang – vor Aufregung kaum mitbekommend – ganz schnell in die Luft. Der Schirm ist voll gespannt und ausgebreitet, meine ebensolchen Sinne nehmen Wind- und Seilgeräusche wahr. Von und mit dem Piloten bin ich angegurtet und behütet, liege faktisch in seinem Schoß.

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Seit meiner Kindheit war ich schon gefühlt eintausend mal in Neustift bzw. am Elfer und in der gegenüber liegenden Schlick (dort habe ich das Skifahren gelernt), doch aus der Luft betrachtet sieht das Stubai für mich anders und neu aus – ein wirklich ganz besonderes Erlebnis. Nach guten 15 Minuten ist der Paraglide-Tandemflug mit Hubi schon vorbei, ein paar Minuten später landet meine Frau mit Peter ebenso sicher. Voller Adrenalin habe ich jede Sekunde genossen. Ich bin aufgekratzt und stolz auf uns beide, aber auch froh, dass wir wieder auf einer sommergrünen Wiese am Talboden stehen dürfen.

P.S. Meine Frau hat übrigens nun Geschmack am Fliegen bekommen. Die nächste Erlebnissteigerung soll ein Fallschirmsprung werden, hat sie schon verkündet. Auweia, ich hoffe, dass ihre beruflichen Höhenflüge mal leicht absinken und ich damit etwas Zeit gewinne zur mentalen Vorbereitung …

Panarotta zum Genießen

Wir machen Urlaub im Trentino, genauer in der Hochtalebene der Valsugana. Neben dem bekannten Caldonazzo See liegt der kleinere Lago di Levico, dort ist auch unser Quartier. Gestern bin ich ganz in der Früh – also vor der Sommergluthitze – vom Ort Caldonazzo nach Süden die teilweise 17 % steile Wahnsinnsstrasse Richtung Luserna hochgefahren. Es ist der berühmte Kaiserjägerweg, von K-u-K-Pioniertruppen in teilweise engsten Serpentinen über eine 800 Höhenmeter-Bergflanke noch vor dem 1. Weltkrieg angelegt.

Da hoffe ich heute morgens diese meine ‚Heldentat‘ noch steigern zu können, wende mich nach Norden, um über den alten Kurort Levico Terme direkt bis zum Rifugio Panarotta im gleichnamigen Skigebiet zu fahren. Immerhin 1.300 Höhenmeter sind zu überwinden. Die Strecke ist auch durch den Giro d’Italia geadelt, weil schon mehrmals Etappenziel gewesen, zuletzt im Mai 2014. Doch welch angenehme Überraschung! Es ist eine gut ausgebaute Strasse mit moderater, gleichmässiger Steigung und flach angelegten Serpentinen.

Einfach nur zum Genießen ist diese Panarotta-Auffahrt. Doch oben erwartet mich nur – immer wieder ein skurriler Anblick im Sommer – die vollkommen verlassene Skisstation. Nach rasanter Abfahrt wieder im belebten Tal zurück und nach einem Sommertag am See ist im Hotel der Abendessensabschluß in doppelter Hinsicht passend und köstlich: Es gibt pana cotta.

Kreuzspitze auch ohne Sicht spitze

Ganz hinten im Graswangtal, schon kurz vor dem Ammersattel, an der Bayerisch-Tiroler Grenze, findet sich der Weg auf die Kreuzspitze. Es sind ca. 1.200 Höhenmeter Aufstieg vom zu überquerenden breiten Schotterflussbett am Start bis zum Gipfel auf 2.185 m.ü. M. – eine wirklich schöne, weil abwechslungsreiche Bergtour, anfangs noch durch Serpentinen im Wald.

Dann wähnt man sich auf einmal nicht mehr in den Ammergauer Alpen, sondern fast in den Dolomiten, denn es geht weiter durch einen großen Schotterkessel – genannt Hochgrieskar – rechts an imposanten Wänden vorbei, auf deren Schulter dann durch Latschenkiefern hinaufziehend zum Gipfel. Zum Schluß steht sogar noch eine leichte Kraxelei an. Besonders gut an der Tour ist, es gibt keine Einkehrmöglichkeit und damit ist sie nicht so überlaufen wie vergleichbare, etwa jene auf den Säuling mit dem Säulinghaus.

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Am Gipfel sind dann meine Frau und ich genau in dreieinhalb Stunden wie im Führer angegeben. Allerdings ist es mit dem ausgelobten Vis-à-Vis-Blick auf die Zugspitze so eine Sache. Es gilt der alte Kalauer: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“. Gerade so ist der Eibsee erkennbar, sonst hat sich Deutschlands höchster Gipfel in Wolken gehüllt. Es ist also ein Kreuz mit der Sicht von der Kreuzspitze, ansonsten ist und bleibt die Tour spitze, gerade an einem etwas bedeckten, nicht so heißen Sommerbergtag wie heute.

Retroronde in Flandern

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Das mir ein bis zu 20% steiler, gepflegt gepflasterter Weg – genannt Paterberg – eine Wohltat sein könnte, hätte ich nicht gedacht. Aber das ist er im Vergleich zu dem von meinem Freund Georg und mir zuvor bewältigten Oude Kwaremont, eine mit 11 % zwar ‚flache‘, aber quälend lange, ganz übel zu fahrende, weil wohl vor langer Zeit verlegte Kopfsteinpflasterpassage. Und wir gehen im Anschluß gleich noch eine dritte Prüfung an, den Koppenberg. Es verlangt nicht nur Kraft, sondern auch Radbeherrschung, um mit den mittlerweile ungewohnten Hacken+Riemen-Pedalen am ansonsten tadellos funktionierendem Stahl-Rennrad, Masi Prestige Jahrgang 1982, auf den glatten Steinen hochzukommen.

Wir sind in Belgien, genauer in den Ardennen in Ostflandern und trainieren für die zwei Tage später stattfindende Retroronde – eine Radtouristik-Veranstaltung auf und mit alten Rädern rund um die Stadt Oudenaarde, geführt auf Streckenteilen der berühmten Flandernrundfahrt, einer der Klassikermonumente des Radsports.

Als wir dann in bester Sonntagsstimmung und bei ebensolchem Wetter die Retroronde angehen, sind wir begeistert von Authenzität, Organisation und Streckenverlauf der 100 km langen Schleife. Einziger Scharfrichter ist der nun uns schon bekannte Oude Kwaremont, der in ‚Rennmodus‘ gefahren dann nicht mehr ganz so schwer ist. Unsere Trainingsrunde war jedenfalls härter, denn die Organisatoren lassen Paterberg und Co. aus, begnügen sich nur mit normalen Hellingen, kurzen Anstiegen mit Asphalt- oder Betonbelag. Vereinzelt eingebaute, Paris-Roubaix-ähnliche flache Kopfsteinpflasterpassagen, im Flämischen Kasseien genannt, können uns nicht wirklich schrecken. Immerhin sind es insgesamt dann doch 1.100 gefahrene Aufstiegshöhenmeter, als wir wieder im flachen Oudenaarde im Ziel eintreffen.

Seine ausführliche Sicht mit noch Bildern von diesen unseren belgischen Radsporttagen hat mein Freund und Redakteur Georg auf aktiv Radfahren veröffentlicht. Und im nächten April werden wir sicher im Fernsehen die Übertragung der Ronde van Vlaanderen genauer verfolgen: Wenn die Radprofis die uns nun bekannten Hellinge hinaufdonnern, dann werden wir im Vergleich dazu wie Grundschüler aussehen – allerdings schon etwas ergraute.

Mit dem Neffen auf das Walberla

Auch wenn es etwas lustig klingt, habe ich doch in Franken mit dem Neffen zusammen etwas Anständiges und Sportliches vollbracht: Mit dem Bergrad sind wir auf das Walberla über dem Wiesenttal gefahren.

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Das ist die Nordkuppe eines 532 m.ü.M gelegenen Zeugenberges mit dem offiziellen Namen Ehrenbürg im Vorland der Fränkischen Alb bei Forchheim. Darauf sind unglaublich viele vorchristliche Siedlungsfunde zu finden. Uns hat an diesem schönen Frühlingstag dann doch mehr das Posen vor schöner Aussicht interessiert. Vom Walberla lässt sich übrigens ein beträchtliches Stück Franken überblicken, vom Bamberger Domberg im Norden bis zum Nürnberger Fernsehturm im Süden, was zum Teil die heute noch fast kultische und festliche Verehrung dieser Erhebung bei den Einheimischen erklärt.